Der Film 'Warum Israel' von Claude Lanzman muss gezeigt werden. Dieser Film, der den Staat Israel diskutiert, muss gezeigt werden. Es darf keinen Zweifel daran geben, dass über den Staat israel diskutiert werden kann. Die Diskussion über Israel hat aber die logische und notwendige Voraussetzung, das Existenzrecht Israels ein für alle Mal anzuerkennen. Das heißt: Jede Rhetorik, die mit Parolen wie 'Werft sie zurück ins Meer' arbeitet, außerhalb des Diskussionszusammenhangs zu stellen und als das zu benennen, was sie ist: antisemitische Hass - und Vernichtungsrhetorik!
Die Diskussion über Israel hat auch die logische und notwendige Voraussetzung, Kritik an der Politik des Staates Israel zuzulassen. Das heißt: Kritik an den aggressiven Anteilen der israelischen Politik des States Israel nicht reflexhaft mit der stereotypen Anklage des Antisemitismus zu begegnen. Eine kritiklose Zuwendung kennt keine Diskussion, nimmt den Staat Israel nicht ernst und fällt abgesehen davon hinter Positionen des israelischen Linken zurück.
Wie gesagt: Die Auseinandersetzung mit Israel muss möglich sein. Nichts anderes tut dieser Film. Jenseits aller politisch und neurotisch gespeisten Extreme setzt dieser Film sich mit dem Staat Israel auseinander. Das muss das Hauptargument zur Haltung zu diesem Film sein.
Dass es ein recht alter Film ist, der eigentlich niemanden mehr so recht aufregen dürfte, ist zweitrangig.
Dass es ein Film von Claude Lanzman ist, der vor allem durch sein späteres Werk 'Shoah' zu Recht hohes Ansehen und Würde genießt, ist zweitrangig.
Was vor allem zählt: Mit diesem Film wird eine vernunftbestimmte Auseinandersetzung mit dem Staat Israel angestrebt.
Wir erteilen allen und allem, die dieses nicht zulassen wollen, hiermit eine radikale und vollständige Absage.
Vermutlich hätte dieser Film an keinem anderen Ort in Hamburg eine solche Eskalation bewirkt. Welche Ziele und Absichten eine antideutsche Gruppe damit verbindet, diesen Film in allernächster Nähe zu einem Zentrum internationalistischer antiimperialistischer Gruppen zu zeigen, muss offen bleiben. Das Provokative dieses Vorhabens hingegen ist offensichtlich: Nicht etwa wegen des Films, sondern wegen der unversöhnlichen Feindschaft zwischen den beteiligten Gruppen. Jenseits dieser unversöhnlichen haben wir auch als Gruppe größte Schwierigkeiten mit der Theorie und Praxis antideutscher Gruppen. In aller Deutlichkeit: Wir wollen keine, und damit meinen wir keine Nationalfahnen sehen. Die Nation ist für uns keine politisch legitime Struktur: keine Nation. Dies ist uns ein wichtiger politischer Anspruch, den wir zumindest auf den von uns organisierten Demonstrationen durchsetzen. Daher wehren wir uns hiermit gegen die unerträgliche und politisch unscharfe Aneinanderreihung im Aufruf zur heutigen Demonstration. Die Antifaschistinnen und Antifaschisten, die 2004 auf unserer Demonstration in Barmbek keine Nationalfahnen zuließen, sind nicht eines Geistes mit Antisemiten, wegen derer wir heute hier auf der Straße stehen. Wir folgen nicht der platten Rhetorik, die da sagt: Jede und jeder, die mit Antideutschen Auseinandersetzungen führt, ist allein aus diesem Grund antisemitisch. Noch ein mal klar und deutlich: auch mit dieser Rhetorik können Antideutsche die autonome Bewegung weder spalten noch zerstören.
Doch auch diese Gedanken sind heute zweitrangig angesichts der ursächlichen Forderung nach der Möglichkeit zur vernunftbestimmten Auseinandersetzung um Israel. Es geht uns heute vor allem um eines: Wir alle hier demonstrieren, dass wir es aus Gründen der politischen Kultur wichtig finden, den Film 'Warum Israel' zu zeigen.
Angesichts der Auseinandersetzungsformen der Blockierer des Kinos am 25.10. sagen wir in aller Solidarität: Wir sind eure schwulen Judenschweine.
(Gründe, warum dieser Redebeitrag auf der Demonstration vom Bündnis nicht gewünscht war, wurden der Gruppe 170 u. a. am 10.12.09 in einem halboffenen Brief genannt, der nach den von der Gruppe 170 erhobenen "Zensur"-Vorwürfen auch auf dem Blog veröffentlicht wurde).
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Dokumentation: nicht gehaltener Redebeitrag der Gruppe 170 für die Demonstration am 13.12.09
Freitag, 20. November 2009
Antisemitische Schläger unmöglich machen -
auch linke!
Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemitinnen und Antisemiten gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino b-movie und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film »Warum Israel«.
- dass ein Kino sein Programm vom Wohlwollen einer benachbarten Aktion Saubere Leinwand abhängig machen soll;
- dass Linke sich als antisemitischer Kampftrupp formieren, um missliebige Veranstaltungen zu Israel zu unterbinden;
- dass ein Film von Claude Lanzmann, französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von »Shoah«, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, in Deutschland zum Angriffsziel einer militanten Blockade werden kann.
Das Flugblatt als PDF
Mittwoch, 18. November 2009
Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme vom 10.12.09 zur Aufführung des Films »Warum Israel« von Claude Lanzmann am 13. Dezember 2009
Die gewaltsame Verhinderung der Filmvorführung am 25. Oktober 2009 durch Personen aus dem Spektrum des dem B-Movie benachbarten internationalen Zentrums B5 kann von der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme nur als Akt der Schande bezeichnet werden.
Der antifaschistische Widerstandskämpfer und Filmemacher Claude Lanzmann hat ein gewaltiges dokumentarisches Lebenswerk vorgelegt - u. a. einen der bedeutendsten Dokumentarfilme des 20. Jahrhunderts - »Shoah«.
Sein gesamtes kulturelles und politisches Schaffen ist Ausdruck und Teil des Kampfes um die Erinnerung an die nationalsozialistischen Massenverbrechen. Seine Filme, insbesondere in den 1970er Jahren, bekämpften auf beeindruckende Weise das in der Gesellschaft vorherrschende Vergessen und Verdrängen eben dieser Verbrechen.
Sein Werk steht im selben Geiste wie auch die jahrzehntelange politische Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, die sich seit ihrer Gründung im Jahre 1948 unermüdlich gegen das Vergessen des NS-Unrechts einsetzt und die Verunglimpfung der Verfolgten und Ermordeten sowie neofaschistische, rassistische und antisemitische Bestrebungen bekämpft.
Claude Lanzmann gehört daher unsere volle Solidarität.
Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. · Jean-Dolidier-Weg · 21039 Hamburg
Pressemitteilung der Berliner VVN-BdA vom 9.12.2009: Warum diese antisemitischen „Reflexe“?
Eine (kurze) Erklärung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes e. V. zu den Auseinandersetzungen um die Verhinderung der Aufführung des Filmes „Pourquoi Israel“ von Claude Lanzmann am 25. Oktober 2009 im internationalistischen Zentrum B5 in Hamburg
Am 25.10.2009 verhinderten Angehörige der Hamburger Gruppen „Sozialistische Linke (SoL)“ und „Tierrechts-Aktion Nord (TAN)“ die Aufführung des Films „Pourquoi Israel“ (1973) von dem französischen Filmemacher und ehemaligen jüdischen Résistance-Kämpfer Claude Lanzmann. Seine Filmdokumentationen „Shoah“ (1985) und „Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr“ (2001) sind herausragende cineastische Werke über den Holocaust, die Shoah, den Mord an über 6 Millionen europäischen Juden. Er betätigte sich in den späten 50er- und frühen 60er Jahren als antikolonialer Aktivist und unterschrieb das „Manifest der 121“, das das Recht auf Widerstand der Algerier gegen die französischen Kolonialherren unterstützte.
SoL und TAN blockierten den Zugang des Kinos B-Movie in der B5 in israelischen Fantasieuniformen, um einen Checkpoint der israelischen Armee zu simulieren und bedrohten BesucherInnen auch körperlich. Dabei fielen auch antisemitische und homophobe Beschimpfungen.
Wir empfinden es als einen ungeheuren, nicht hinnehmbaren Vorgang, dass in Deutschland und dann auch noch von Menschen, die sich als links verstehen, ein Film eines jüdischen Filmemachers verhindert wird. Wer, aus welchen Gründen auch immer, solch eine gewaltförmige Zensur ausübt, muss sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen. Dieses Vorgehen hat nichts mit einer emanzipatorischen und konstruktiven Kritik an der Politik der israelischen Regierung zu tun, und lässt keinerlei Verständnis und Empathie für die schwierige Annäherung des jüdischen Filmemachers Lanzmann an Israel erkennen. In einem Flugblatt machen sie auch deutlich klar, dass die Aktion lediglich dazu dient, schon die Gründung und damit das Existenzrecht des Staates Israel zu delegitimieren. Leichtfertig wird hier der Jude Lanzmann, sein Film, Israel und die gegenwärtige Politik der israelischen Regierung gleichgesetzt und damit der Vorwurf, antisemitisch gehandelt zu haben, zumindest in Kauf genommen.
Gerade hier sind deutsche Linke als Allererste dazu aufgerufen, laut und deutlich zu protestieren, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen. Deshalb haben wir den Aufruf des „Bündnisses gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ unterschrieben, da er uns als ein erstes öffentliches Forum erschien, um unseren Unmut und Protest zu äußern. Wir
begrüßen auch den Aufruf „Es darf keine antisemitische Filmzensur geben“, der ihm wenig später folgte. Den Protest als Vehikel für „linke Fraktionskämpfe“ wie es unseres Erachtens in Hamburg auch passiert ist, zu benutzen, verbietet sich allerdings von selbst. Ihn aber ausschließlich als solches zu begreifen, erfasst nicht diesen unentschuldbaren Vorgang und denunziert emanzipatorische Politik und den entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus. Wir freuen uns, dass die Aufführung des Films am 13. Dezember am Ort des Geschehens nachgeholt werden kann und die Gruppe SoL ihn am 9. Dezember auch selber vorführen will. Wir hoffen, dass die dabei ausgesprochenen Diskussionsangebote solidarisch und ernst genommen werden.
Der Vorstand der Berliner VVN-BdA e. V.
Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V. · Franz-Mehring- Platz 1 ·
10243 Berlin
Pressemitteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus vom 23. November 2009
Empört und bestürzt nehmen wir zur Kenntnis, dass am 25. Oktober 2009 in Hamburg eine vom Hamburger Kinokollektiv B-Movie gemeinsam mit der Gruppe „Kritikmaximierung“ geplante Vorführung des Filmes von Claude Lanzmann „Warum Israel“ von 1972 von dem antiimperialistischen Zentrum B 5 mit Gewalt verhindert wurde. Diese selbsternannten Antifaschisten hatten das Kino versperrt und hinderten die Besucher am Betreten des Kinos. Sie wollten auf das angebliche Apartheids-Schicksal der Palästinenser aufmerksam machen, wobei sie einen Checkpoint simulierten und Zuschauer mit Holzgewehren und Schlaghandschuhen angriffen und verletzten, bevor die Polizei eingriff.
Es ist uns unverständlich, wieso bereits im Vorfeld gegen die Vorführung dieses Films, eine Reportage über das Lebensgefühl der Israelis und die Geschichte der Staatsgründung, mobil gemacht wurde und warum trotz antisemitischer Tiraden der Staatsschutz nicht wegen Volksverhetzung ermittelt.
Wir protestieren gegen:
- die Verhinderung der Aufführung diese Films, was an Praktiken der Nationalsozialisten erinnert
- und die pauschale Verurteilung Israels und die einäugige Solidarität der Blockierer, wobei sie vor antisemitischen Klischees nicht zurückschreckten.
Wir verurteilen ausdrücklich den in diesem Diskurs öffentlich zur Schau gestellten Antizionismus und Antisemitismus.
Des weiteren solidarisieren wir uns mit den Veranstaltern sowie mit Claude Lanzmann, der diese Gewaltaktion als einmalig in der Welt bezeichnete. Noch nie zuvor sei die Vorführung seiner Filme verhindert worden.
Lala Süsskind
Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde von Berlin
Levi Salomon
Beauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
für die Bekämpfung des Antisemitismus
Beauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
für die Bekämpfung des Antisemitismus
Vorsitzender des Jüdischen Forums
für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)
fon: +49 (0)170 632 74 21
fon2: +49 (0)30 880 28 357
fax: +49 (0)30 880 28 250
Oranienburger Straße 28-30
10117 Berlin
Stop Antisemitic Thugs – Leftist Ones, too!
Hier klicken um den Aufruf auf Englisch zu lesen/
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Dienstag, 17. November 2009
Stoppez les matraqueurs antisémites – même ceux de la gauche!
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